Verhaltenseinschränkung durch übertriebene Befürchtungen

Erklärungsmodell Nr. 2 basierte bereits auf der Behauptung, dass die menschliche Energie sich auf eine individuell spezifische Weise ausdrücken muss, weil es sonst zu Krankheitserscheinungen wie Depression und ADHS kommt. In einem allgemeineren Sinne ist dieser „individuelle Energieausdruck“ eine Art Referenzgröße in allen Erklärungsmodellen. Der „individuelle Energieausdruck“ ist das, was ein Mensch am liebsten tun würde bzw. was ihm am meisten Freude macht. Er stellt den Kern des „natürlichen Verhaltens“ dar. (Dabei beziehe mich eher auf schöpferisches Handeln als reine Vergnügungen.) Dauerhafte Abweichungen vom natürlichen Verhalten führen zu einem Ungleichgewicht, das sich zunächst in der Psyche äußert und sich dann auf den Körper übertragen kann.

  1. In Erklärungsmodell Nr. 1 wird Energie in die Lösung eines Problems investiert, für das eigentlich gar keine wirksame Lösung bekannt ist. Dieser Energieeinsatz verschärft einerseits das Problem und fehlt andererseits bei der Verwirklichung der Dinge, die dem Betroffenen wirklich wichtig sind. Das heißt, der Aktionismus verdrängt das natürliche Verhalten.
  2. In Erklärungsmodell Nr. 2 kommt es zu einem Energiestau (Depression, ADHS), weil die Energie nicht ausgedrückt wird.
  3. In Erklärungsmodell Nr. 3 kommt es zu Ersatzbefriedigung (Sucht), weil die Energie nicht ausgedrückt wird und infolgedessen zu Erscheinungen eines Ungleichgewichts in Psyche oder Körper, weil die Ersatzhandlung im Übermaß strapaziert wird.
  4. In Erklärungsmodell Nr. 4 schließlich wird die individuelle Energie nicht ausgedrückt, weil übertriebene oder eingebildete Befürchtungen dem im Weg stehen. Der Betroffene nimmt an, dass es zu einer negativen Entwicklung kommt, wenn er einfach tut, was er möchte und was ihm wichtig ist. Die Konsequenz davon ist, dass die Befürchtungen immer realere Wirklichkeit werden und sich schließlich auch als körperliches Leiden äußern können.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Verwirklichung des individuellen Schaffens- und Erfahrungsdrangs eine zentrale Komponente von Gesundheit und Heilung ist. Es stellt ein außerordentliches Problem dar, dass dies nicht zu den zentralen Werten unserer Gesellschaft gehört, die stattdessen Einkommensmaximierung und Pflichterfüllung an die Spitze ihres Wertesystems stellt.

Ähnlich wie in Erklärungsmodell Nr. 1 gibt es in Erklärungsmodell Nr. 4 eine negative Vorstellung von der Zukunft (negative Zukunftsprojektion). Aber während es in Erklärungsmodell Nr. 1 zu einer Art Aktionismus kommt, um die negative Entwicklung abzuwenden, besteht die Reaktion in Erklärungsmodell Nr. 4 darin, Verhalten zu meiden, das eigentlich gewollt ist. Der Betroffene versagt sich aufgrund seiner Befürchtungen das, was ihm eigentlich wichtig ist und was zu tun ihm gut tun würde. Auch dadurch kommt es zu einer immer stärkeren Fixierung auf die mit den Befürchtungen verbundenen negativen Vorstellungen, denn die individuelle Energie „drückt“. Sie stellt einen starken, archaischen, inneren Drang dar, der sich ausdrücken will.

Ich möchte das an einem Beispiel aus meinem Leben verdeutlichen:

nächstes Kapitel: Schmerzen im Arm (Erklärungsmodell Nr. 4)
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