Ungleichgewicht durch Sucht

Es gibt reine Suchterscheinungen wie das Rauchen und es gibt Suchtmittel, die in „natürlichen Maßen“ als geistige oder körperliche Freuden ein ganz normaler Bestandteil des Lebens sind. Erst wenn sie als Ersatzbefriedigung eingesetzt werden, läuft das Maß ihrer Inanspruchnahme aus dem Ruder und in der Folge kommt es in Körper oder Psyche zu Erscheinungen eines Ungleichgewichts in Form diverser Krankheitssymptome.

Dieses Erklärungsmodell ist eigentlich trivial und den meisten Menschen durchaus bewusst (Rauchen verursacht Krebs, Sucht-getriebenes Essen führt zu Übergewicht, zu viel Alkohol schadet der Leber usw.). Dass ich es dennoch anführe, liegt in der Problematik, die aus der Kombination mit Erklärungsmodell Nr. 1 entsteht. Erklärungsmodell Nr. 1 ist die unkontrollierte Verstärkung von Symptomen, wenn ohne Kenntnis der eigentlichen Ursache gegen die Symptome angekämpft wird. Und genau das geschieht im Fall von Sucht nahezu immer: Die meisten Menschen wissen, dass durch die Sucht ihr Leben und ihre Gesundheit aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Und deshalb versuchen sie, ihre Sucht zu bekämpfen, ohne dabei aber die tatsächlichen Ursachen der Sucht zu lösen. Das hat eines der folgenden beiden Szenarien zur Folge:

  1. Wenn es gelingt, eine Sucht zu beenden, ohne die Suchtursache dabei aufzulösen, dann wird die eine Sucht einfach nur durch eine andere ersetzt. Die neue Sucht schleicht sich dabei zunächst unbemerkt ein und wenn sie bemerkt wird, hat sie sich bereits festgesetzt. Menschen, die aufhören zu rauchen, ersetzen das Rauchen zum Beispiel durch Essen und nehmen zu. Auch im globalen Maßstab lässt sich das beobachten: Da das Rauchen stark an gesellschaftlicher Akzeptanz eingebüßt hat, wird es im großen Maßstab durch Smartphones und soziale Netzwerke ersetzt, die aber als Sucht noch kaum erkannt sind und irrtümlicherweise als Fortschritt angesehen werden. Tatsächlich aber führen Smartphones und soziale Netzwerke zu einer nahezu lückenlosen Bindung der Aufmerksamkeit, was wiederum dazu führt, dass das Gehirn kaum noch Momente ohne äußere Inanspruchnahme erfährt. Genau diese Momente aber haben eigentlich eine extrem wichtige Funktion für die Reorganisation und Neuausrichtung der menschlichen Psyche.
  2. Wird gegen eine Sucht angekämpft, ohne die Sucht dabei überwinden zu können, dann werden durch dieses Bemühen die negativen Auswirkungen der Sucht noch zusätzlich verstärkt. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Abschreckungsbilder auf den Zigarettenschachteln die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken erhöhen, weil sie die Fixierung auf die negative, befürchtete Vorstellung verstärken. Das gilt für alle diejenigen, denen es nicht gelingt, das Rauchen zu beenden.

Neben den weithin bekannten Auswirkungen von Sucht gibt es auch Krankheitssymptome, die nicht so leicht als Folge eines Ungleichgewichts durch Sucht erkennbar sind:

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