Beispiel 6: Längeres Bein nach Beinbruch

Meine 7-jährige Tochter bricht sich das Bein. Der behandelnde Arzt prophezeit ihr: „Es kann sein, dass sich dein Bein beim Zusammenwachsen verlängert und dann hast du unterschiedlich lange Beine.“ Für meine Tochter eine fatale Information, denn ihr Traumberuf ist zu dieser Zeit „Leichtathletik-Europameisterin“.

Nach dem Zusammenwachsen des Knochens stellt sich heraus, dass ihr Bein tatsächlich länger geworden zu sein scheint. Nun kann man lange darüber diskutieren, ob das Bein „einfach so“ länger geworden ist oder ob es länger geworden ist, weil das kleine Mädchen mehrere Wochen damit beschäftigt war, in ihrem Kopf ein Problem zu lösen, das für sie gar nicht lösbar ist.

Eine Osteopathin stellt aber später fest, das Bein ist gar nicht länger geworden, sondern es hat sich lediglich die Hüfte schief gestellt – ein Effekt, der sich nach einiger Zeit wieder zurückentwickelte.

Dies ist ein Beispiel dafür, wie der Körper Symptome zunächst so hervorbringt, dass sie umkehrbar bleiben. Irreversible Veränderungen erfordern eine langanhaltende psychische Problemfixierung. Interessant wäre an dieser Stelle die Frage, was in der Psyche von Patienten während des Heilungsprozesses vorging, deren Bein sich nach einem Knochenbruch tatsächlich verlängert hat.

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