Ein unlösbares Problem

Das erste Erklärungsmodell nimmt insofern eine Sonderstellung ein, weil es in jeder Krankheitssituation als verstärkender Faktor auftreten kann. Auch da, wo die ursprüngliche Entstehung der Symptome anderen Ursachen zuzuordnen ist, kann der im folgenden aufgezeigte Mechanismus für eine immer weitere Verstärkung der Symptome verantwortlich sein.

Allen Erklärungsmodellen ist gemeinsam, dass es innerhalb der Psyche ein Verhaltensmuster gibt, welches auf körperlicher Ebene zu Krankheitssymptomen führt. In diesem ersten Erklärungsmodell investiert der Betroffene erhebliche Mengen an Energie, um ein Problem zu lösen, ohne damit erfolgreich zu sein.

Wenn ich gleich zu einigen Beispielen komme, wird sich zeigen, dass es sich um Probleme handelt, mit denen sich viele Menschen herumschlagen, die aber bei weitem nicht alle erkranken. Entscheidend für die Ausprägung körperlicher Symptome ist die Menge an Energie, welche (vergeblich) in eine Lösung investiert wird. Deshalb lässt sich der behauptete Zusammenhang auch leicht nachprüfen, weil das Problem im Denken der Betroffenen einen derart breiten Raum einnimmt, dass es sich im Gespräch sofort zeigt.

Zwischen dem Problem, um dessen Lösung der Betroffene ringt und den Symptomen, die dadurch hervorgebracht werden, besteht eine verblüffend exakte inhaltliche Übereinstimmung. Um das zu erläutern, möchte ich das Problem zunächst abstrakt in seinen Bestandteilen darstellen:

  1. Das Problem basiert entweder auf einer als negativ wahrgenommenen Ist-Situation oder auf einer als negativ eingeschätzten zukünftigen Entwicklung. In beiden Fällen beziehen sich die Problemlösungsversuche auf die Zukunft: In der Zukunft soll ein Zustand ohne das Problem erreicht werden.
  2. Eng verknüpft mit dem Problem ist eine negative Vorstellung von der Zukunft. Sie beinhaltet die angenommene Entwicklung, falls nichts dagegen unternommen wird. Ich bezeichne das auch als „negative Zukunftsprojektion“, weil eine negative Vorstellung auf die Zukunft projiziert wird. Die negative Vorstellung treibt die Problemlösungsversuche unmittelbar an.
  3. Die Problemlösungsversuche bestehen in einem bestimmten Verhalten, von dem angenommen wird, dass es das Problem löst. Entscheidend ist für dieses Erklärungsmodell, dass die angenommene Lösung keine tatsächliche Lösung ist. Ich spreche in diesem Zusammenhang auch von „Aktionismus“ oder zwanghaftem Verhalten.
  4. Das Verhalten, wie es wäre, wenn das Problem nicht da wäre, bezeichne ich als natürliches Verhalten. Die Problemlösungsversuche führen zu einer Abweichung vom natürlichen Verhalten.

Folgende Tendenzen korrespondieren unmittelbar miteinander:

  1. Die Menge an Energie, die zur Lösung des Problems aufgewendet wird.
  2. Der Raum, den das Problem im Denken des Betroffenen einnimmt
  3. Eine gedankliche Fixierung auf die negative Zukunftsvorstellung
  4. Die Stärke der Abweichung vom natürlichen Verhalten

Je mehr Energie in die Lösung investiert wird, um so stärker wird die Fixierung auf die negative Vorstellung der Zukunft. Die körperlichen Symptome, die aus dem psychischen Muster entstehen, stellen eine Realisierung der negativen Zukunftsvorstellung dar. Mit den Krankheitssymptomen wird genau das Realität, was eigentlich verhindert werden sollte. Der Körper realisiert die negative Erwartung auf physischer Ebene. Die Art und Weise, wie das geschieht, ist in ihrer Exaktheit äußerst verblüffend.

Da negative Zukunftsvorstellungen in diesem Erklärungsmodell eine zentrale Rolle spielen, möchte ich vorab anmerken, dass der Weg einer Heilung, den ich später aufzeigen werde, nicht das Geringste mit „positivem Denken“ oder ähnlichen mentalen Techniken zu tun hat.

Bevor der Körper diagnostizierbare Symptome hervorbringt, entwickelt er Symptome ohne physische Ursachen. Das ist die Situation, wenn ein Patient mit bestimmten Symptomen zum Arzt kommt und dieser aber nichts finden kann. Es handelt sich dabei um die frühe Entwicklungsphase der Krankheit. Ich unterscheide folgende Phasen:

  1. Das Problem existiert nur auf geistiger Ebene. Es beschäftigt den Betroffenen, aber es gibt keinerlei Symptome auf körperlicher Ebene.
  2. Es treten erste Symptome auf, für die sich aber keine physischen Ursachen finden lassen.
  3. Es kommt zu physischen Veränderungen, die ein Arzt diagnostizieren kann, die aber theoretisch noch heilbar wären.
  4. Die physischen Veränderungen werden irreversibel. Eine vollständige Heilung wäre auch bei Auflösung des psychischen Problems nicht mehr möglich.

Zur Verdeutlichung des Erklärungsmodells einige Beispiele:

nächstes Kapitel: Der vergebliche Versuch einer gesunden Ernährung (Erklärungsmodell Nr. 1)
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